Informationen zu Urteilen im Bauwesen

Werte Gäste,

diese Seite verdankt ihre Existenz verschiedenen Gründen, und sie heißt „Bauurteile“, da ich nur vom Bau genügend verstehe, um solche Urteile fachmännisch bewerten zu können. Sie gibt meine Ansichten und Erfahrungen zum heutigen Stand wieder.

Sicher gibt es auf anderen Gebieten gleiche oder ähnliche Probleme, doch darum muss sich ein anderer kümmern, der von dem entsprechenden Fachgebiet mehr versteht als ich. Hier möchte ich auf das Buch des Herrn Ex-Bundestagsabgeordneten Norbert Blüm „Einspruch“ verweisen, welches ein guter Einstieg in das Thema ist, doch dieses leider nicht erschöpfend behandeln kann, denn dazu sind nach meiner Meinung noch viele Bücher notwendig.

Etwa 2 Milliarden Euro Wirtschaftsschaden entstehen jährlich durch falsche Bauurteile, Verzögerungen durch überlastete IHK-Sachverständige, unsinnige Prozesse und Prozessverschleppung.

Der erste Grund für diese Seite sind sehr seltsame und eigenwillige Bauurteile, die einer näheren logischen Untersuchung nicht Stand halten. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Bauweise schadensträchtig und/oder gefährlich ist, so ist sie gemäß den einheitlich eingeführten technischen Baunormen nicht zulässig. Leider waren bis zum Jahre 2015 diese Vorschriften nur sehr wenigen Richtern und Sachverständigen bekannt. Ergo wurden sie auch nicht angewendet, was schon alleine etwa 1,5 Milliarden jährlichen Wirtschaftsschaden verursachte.

Der zweite Grund für diesen Internetauftritt sind unzutreffende Bauurteile, welche mit dem Mangel oder Schaden nur wenige Berührungspunkte haben und nicht oder nur wenig zu deren Bewertung oder Aufklärung beitragen. Es sind auch die in sehr vielen Fällen unzutreffenden Beweisbeschlüsse, Tatsachenerhebung und Beweisführung. Zum Beispiel ein Beweisbeschluss, der vorgibt, alle Risseschäden zu untersuchen, die auf Materialfehlern beruhen. Die Bauwerksrisse sind aber durch physikalische Einflüsse entstanden, die Beweisführung erfolgt durch Sachverständige, welche die Arbeitsabläufe nicht nachvollziehen und deren Gutachten der Physik, den Naturgesetzen und der Logik widersprechen und die von sehr vielen Richtern – ohne nachzudenken – adaptiert werden, ohne sich der Ausgangspunkte der Gutachten bewusst zu sein.

Sehr oft sind falsche oder überzogene Beweisbeschlüsse, wie zum Beispiel „Berücksichtigen Sie alle möglichen Ursachen, die zum vorliegenden Schadensbild führen können.“ Ursache von Fehlurteilen. Aber auch falsche Gutachten, die den Kern des Schadens verfehlen, sind nicht zu vernachlässigen.

Wenn ein Gericht einen Sachverständigen beauftragt, alle Aspekte und Ursachen von Rissbildungen im Beton, insbesondere der Frostfestigkeit, zu untersuchen und dafür ein Budget von 400 €uro veranschlagt, kann das nicht funktionieren. Eine Frost- Tausalzprüfung im Labor kostet schon etwa 800 Euro und wenn dann die Druckfestigkeit, die Betonzusammensetzung und noch andere Kriterien geprüft werden sollen, aber dazu keine finanziellen Mittel aufgebracht werden, bleibt die Prüfung unzureichend. Irgendwann ist dann das Ende der Begutachtung erreicht, besonders dann, wenn man versucht hat den Richter zu erreichen, um die Sinnlosigkeit verschiedener Untersuchungen darzulegen.

Beispielhaft kann bei unterhöhlten oder freigelegten Fundamenten nicht die Bausubstanz, auch wenn sie alt und/oder marode sein sollte, für den Einsturz eines Gebäudes oder Bauwerks die Ursache sein, sondern muss in der nicht mehr funktionierenden Kraftübertragung vom Bauwerk in den Boden gesucht werden. Solch einen Fehler würde ich unter mangelhafter Sachkenntnis des Sachverständigen einordnen, was bei sehr vielen Fehlurteilen die Ursache ist.

Was nützen in einem Bauprozess die schönsten und besten Vorschiften, wenn sie niemand kennt oder anwendet, so wie zum Beispiel die einheitlich eingeführten Bauvorschriften. Diese gibt es schon seit langen Zeiten, doch kaum ein Richter oder Sachverständiger kannte sie bis 2015 oder wendete sie sogar an. Das bedeutet, gravierende Bauvorschriften wurden bei der Urteilsbildung nicht berücksichtigt. Dass sich das auf das Urteil auswirkt, ist für jeden logisch denkenden Menschen nachvollziehbar.

Mich verwundert in diesem Zusammenhang, dass Richter immer zuerst Bauingenieure und Architekten als Sachverständige in Beweisverfahren und Prozessen beauftragen, wo doch spätestens seit dem dritten Bauschadensbericht des Bundesbauministeriums bekannt ist, dass eben diese Gruppe für die meisten Bauschäden verantwortlich ist (beim Abgasskandal sind ganz sicher nicht die Werksmeister oder Automonteure für die Fakeprogrammierung verantwortlich).

Bei diesen Herrschaften dauert es zwischen 7 und 12 Monaten bis sie auf der Baustelle oder am Schadensort erscheinen. Während der Zeit vom Schadenseintritt bis zum Eintreffen des Sachverständigen hat sich der Schaden sehr oft ausgeweitet und vervielfältigt oder von selbst erledigt. Untersuchungen von mir ergaben, dass Sachverständige des Handwerks binnen weniger Tage vor Ort sind und ihre Gutachten innerhalb weniger Wochen erstatten. Als Nebenprodukt ist festzustellen, dass deren Gutachten auf handwerklichen Erfahrungen beruhen und die Sanierungsvorschläge auch zielführend ausführbar sind.

Nicht vernachlässigen sollte man in diesem Zusammenhang auch die Damen und Herren Rechtsanwälte, die gerne das Geld der Mandanten nehmen, doch deren Kenntnisse und Einsatzwillen zum Teil diametral zu den Interessen der Mandanten stehen, denn diese möchten wenig ausgeben und den Prozess gewinnen. Doch das gelingt nicht, wenn die Rechts-vertretung mit möglichst wenig Aufwand (max. 8 Seiten Gutachten) sehr viel Wert aus der Vertretung ziehen will. Sehr oft fehlen ihnen auch die notwendigen Fachkenntnis zum Fachgebiet, häufig fehlen auch profunde Kenntnisse in Physik, Mathematik und Chemie. Viele wissen nicht einmal, dass der Parteisachverständige zum Ortstermin eingeladen und bei Gericht als Zeuge gehört werden kann. Zudem halten sie es für unnötig den Handwerkssachverständigen zuzuhören und verfolgen ihren eigenen Stil. Oftmals verstehen sie es nicht, die Anhörung vor Gericht in eine für ihre Mandantschaft günstige Richtung zu lenken.

Daher sammle ich seltsam anmutende Bauurteile, die ich, wenn sie meinen Ansprüchen genügen und zu meinem Thema passen, anonymisiert auf dieser Homepage ins Netz stelle, um Betroffene zu unterstützen und anderen Bauleuten behilflich zu sein.

Um aber noch einmal auf das Urteil zur eingestürzten Mauer und dem daran beteiligten Dipl. Ing. SV zurückzukommen; Der gleiche SV hat vor einigen Jahren schon einmal ein Gutachten erstattet, bei dem ich anwesend war. Damals ging es um angefahrenen Boden zur Gartenherstellung. Im vor dem Haus befindlichen Boden fanden sich vereinzelte Bruchstücke von etwa daumennagelgroßen Ziegelscherben wieder. Geschätzt habe ich den Ziegelsplitt auf etwa 1 bis 3% des Gesamtvolumens der angelieferten Erde. Doch als Parteisachverständiger wurde es mir verwehrt, den Boden für einen Absiebversuch vor Ort zu entnehmen, und der Herr Dipl. Ing SV führte einen solchen Versuch erst gar nicht durch. Er behauptete, dass die Ziegelsteinstücke mit der Erde antransportiert worden seien und die eingepflanzten Rhododendren auf Grund der angeschütteten Erde eingegangen sind. Nicht berücksichtigt hat der Herr Dipl. Ing. SV, dass das neue Haus der Kläger auch aus Ziegelsteinen bestand und die Scherben Reste vom Bau sein könnten, die Erdanschüttung und Bepflanzung neben der Erschließungsstraße lag und es sich auch um Reste von Steinanlieferungen handeln könnte und die Büsche ohne Torferde in den anstehenden Lehmboden verpflanzt wurden.

Den Lehmboden konnte ich selbst zwei Grundstücke weiter am Ackerboden feststellen. Dass um die Büsche der gleiche Boden verfüllt war wie am Restgrundstück, konnte ich auch sehen und die Schäden an den Büschen, trockene Blütenknospen und Blattspitzen, ließen erkennen, dass sie wohl unsachgerecht verpflanzt wurden. Obwohl auch andere Ursachen für die Schäden an den Pflanzen erzeugt haben könnten. Doch dies war hier erst einmal die am nächsten liegende Ursache. Heute mischt man Ziegelsplitt zur Wasserspeicherung unter die Blumenerde oder verpflanzt Blumen sogar ganz in Ziegelsplitt. Als Schadensursache schließe ich den Ziegelsplitt einmal aus.

Ich hätte eventuell sogar an Hand der porosierten Ziegel feststellen können, ob sie mit der Erde angeliefert wurden oder vom Haus stammten. Denn damals wurden Ziegelsteine unter der Beimischung von Sägemehl, Polystyrolschaumkügelchen oder ähnlichem porosiert und das war an den Steinen festzustellen. Auch die unterschiedliche Zusammensetzung des Scherben bildenden Tones gibt Hinweise auf die Steinhersteller und die Lieferanten. Die Splitt Beimischungen in der Erde halte ich für einen optischen Mangel der nach der Rasenaussaat vor dem Haus nicht mehr zu erkennen gewesen wäre.

Das alles sah der Herr Dipl. Ing. SV jedoch nicht oder anders. Auf jeden Fall folgte er meinen Hinweisen nicht und untersuchte auch nicht selbständig. Der Dumme am Ende war der Lieferant des Bodens. Er musste den Boden zurücknehmen und die Rhododendren ersetzen, obwohl nicht bewiesen war, dass er den Ärger verschuldet hat. Ich ziehe immer eine ordentliche Beweisführung vor.

Westerngrund, den 19. 12. 2016
Josef Reis